Kunstturnen
Deutschland

Turnerinnen, Wettkämpfe, Verstehen

Zagreb 2026

Europameisterschaft

Helen Kevric am Stufenbarren in Zagreb
Stufenbarren

Helen Kevric Gold

Bei der EM in Leipzig riss ihr das Kniescheibenband, danach konnte sie ein Jahr lang nicht turnen. Beim ersten internationalen Wettkampf nach der Pause steht sie ganz oben – als erste deutsche Europameisterin am Stufenbarren seit Elisabeth Seitz 2022. Boden und Sprung hat sie in Zagreb noch ausgelassen.

„Ich bin einfach nur dankbar, dass ich jetzt wieder hier stehe."Helen Kevric nach dem Finale

Foto: IMAGO/Igor Kupljenik / SPP

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Karina Schönmaier beim Sprung in Zagreb
Sprung

Karina Schönmaier Silber

Ein Zehntel fehlte der Titelverteidigerin aus Chemnitz zum zweiten EM-Titel am Sprung: Vor ihr landete nur Angelina Melnikowa, die den Mehrkampf gewonnen hatte. Nach ihrem EM-Titel am Sprung im Vorjahr in Leipzig steht sie zum zweiten Mal in Folge auf dem Podium. Ihr Finale lief als erstes – Karina eröffnete den deutschen Nachmittag.

Foto: IMAGO / Pixsell

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Schwebebalken

Pauline Schäfer-Betz: 4. Platz nach schwerer Hüft-OP

Im Mai 2025 musste sie sich wegen einer Labrum-Läsion an der Hüfte operieren lassen, verpasste die Heim-EM in Leipzig und die gesamte Saison. Bei der Deutschen Meisterschaft in Hannover turnte sie ihren ersten Mehrkampf seit drei Jahren – und in Zagreb steht die Weltmeisterin von 2017 im Balkenfinale auf Rang vier. Die Erfahrenste im deutschen Team, auf zehn Zentimetern so ruhig wie eh und je.

Foto: IMAGO / Pixsell

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Pauline Schäfer-Betz am Schwebebalken in Zagreb
Das deutsche Team im Mannschaftsfinale der Europameisterschaft in Zagreb
Teamfinale

Russland gewinnt Teamfinale vor Italien – Deutschland Fünfter

Unsere deutschen Mädels belegen den fünften Platz. Mit 156,664 Punkten fehlte dem Quintett Helen Kevric, Silja Stöhr, Pauline Schäfer-Betz, Karina Schönmaier und Lea Marie Quaas der Sprung aufs Podium. Den Titel holte das Team aus Russland um Mehrkampf-Europameisterin Angelina Melnikowa mit 165,430 Punkten – in Zagreb ohne Hymne, Flagge und nationale Symbole als „World Gymnastics 2" am Start. Dahinter Titelverteidiger Italien mit 161,796 und Frankreich mit 159,263 Punkten. Das Ticket für die WM in Rotterdam war ohnehin gelöst: Rang vier in der Qualifikation reichte.

Foto: IMAGO / Grubisic

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Ob Anfängerin oder Olympiakader:
jede gehört dazu

Ab welchem Alter es losgeht, was ein Verein kostet, wie oft trainiert wird und woran du gutes Training erkennst – alles für Eltern an einer Stelle.

Für Eltern

Kunstturnen verstehen

Sie landet mit einem großen Schritt. Was kostet das?

Kein Sturz, aber ein Schritt weiter als schulterbreit. Rate einmal — die Antwort ist die Grundrechenart dieses Sports.

Häufige Fragen

Kunstturnen verstehen

Die Fragen, die Eltern, Turnerinnen und Neugierige uns am häufigsten stellen.

Der übliche Einstieg ins Kunstturnen liegt zwischen vier und sechs Jahren. Davor gibt es in fast jedem Verein Eltern-Kind-Turnen ab etwa einem Jahr und Kinderturnen ab drei – dort geht es um Klettern, Balancieren und Purzelbäume, nicht um Wettkämpfe. Erste Einstiegswettkämpfe sind ab etwa sieben Jahren möglich, auf Bundesebene wird ab neun geturnt, Deutsche Jugendmeisterschaften gibt es ab der Altersklasse 12. Wichtiger als das Alter ist, ob dein Kind zuhören, warten und etwas ein zweites Mal probieren kann, wenn es beim ersten Mal nicht klappt.

Weniger, als die meisten erwarten: Die Hälfte aller deutschen Sportvereine verlangt für Kinder höchstens vier Euro im Monat, für Jugendliche fünf und für Erwachsene acht. Für Kinderturnen und Breitensportgruppen zahlst du also in der Regel einen einstelligen Betrag. Teurer wird es erst im leistungsorientierten Training mit vier oder fünf Einheiten pro Woche, wo je nach Verein Abteilungsbeiträge dazukommen. Für den Anfang reicht ein schlichter Turnanzug für wenige Euro. Und dann passiert etwas, das man in den Foyers der großen Wettkämpfe an den Ständen der Hersteller beobachten kann: Beim Anprobieren fangen die Augen an zu leuchten, und danach laufen die Mädchen stolz im neuen Anzug durch die Halle. Ein funkelnder Leo ist ein wunderbares Geschenk, wenn die Begeisterung wächst. Die richtig teuren Wettkampfanzüge ab etwa 100 Euro brauchen erst diejenigen, die auf Meisterschaften starten. Der größte Posten steht am Ende ohnehin auf keiner Rechnung: die Fahrten zum Training und zu den Wettkämpfen am Wochenende.

Für den Einstieg reicht einmal pro Woche. Im Breitensport sind es meist ein bis zwei Einheiten, im ambitionierten Vereinstraining zwei bis drei. Im Leistungssport wächst der Umfang mit dem Alter erheblich: An Stützpunkten sind zehn bis zwanzig Stunden pro Woche üblich, verteilt auf vier bis neun Einheiten, teils morgens und abends. Diesen Sprung sollte niemand machen, weil ein Trainer ihn vorschlägt, sondern weil das Kind ihn will.

Kunstturnen hat kein Gegenspielerrisiko: Es gibt keine Zweikämpfe, keine Fouls, keine unvorhersehbaren Zusammenstöße. Jede Bewegung wird über Monate aufgebaut und gesichert. Was tatsächlich vorkommt, sind Überlastungsbeschwerden an Handgelenken, Rücken und Sprunggelenken, wenn der Umfang zu schnell steigt. Das größte Risiko ist deshalb kein körperliches, sondern ein strukturelles: ein Umfeld, in dem Schmerzen als Schwäche gelten. Woran du ein gutes Umfeld erkennst, steht in der nächsten Antwort.

Am Umgangston, nicht an den Medaillen. In einer guten Halle wird korrigiert statt beschämt, Eltern dürfen zuschauen, Schmerzen führen zur Pause und nicht zur Diskussion, und über das Gewicht der Kinder wird nicht gesprochen. Frag beim Probetraining drei Dinge: Welche Qualifikation haben die Trainerinnen? Gibt es ein Kinderschutzkonzept, und wer ist die Ansprechperson, wenn etwas nicht stimmt? Darf ich beim Training zusehen? Ein Verein, dem diese Fragen unangenehm sind, hat dir damit bereits geantwortet.

Ja – für Breitensport und Vereinswettkämpfe gibt es keine Altersgrenze, und viele Vereine haben eigene Gruppen für Jugendliche und Erwachsene. Ehrlich ist aber auch: Der Weg in den Leistungssport ist ab etwa zehn Jahren praktisch verschlossen, weil Zwölfjährige dort bereits sechs bis acht Jahre Grundlagentraining hinter sich haben. Dieser Vorsprung lässt sich nicht aufholen. Wer mit dreizehn anfängt, wird keine Olympiaturnerin – aber Salti, Handstand und Aufschwung lernt sie trotzdem, und darum geht es den meisten.

Jede Übung bekommt zwei Noten, die addiert werden. Die D-Note zählt die Schwierigkeit: Jedes Element hat einen Wert von A bis J, die schwersten werden zusammengerechnet, dazu kommen Punkte für Verbindungen und geforderte Elemente – nach oben ist sie offen. Die E-Note bewertet die Ausführung und startet bei 10,0; für jeden Fehler wird abgezogen, für gebeugte Knie ein Zehntel, für einen Sturz ein ganzer Punkt. Eine Weltklasseübung am Balken liegt heute bei etwa 14 Punkten. Deshalb kann eine schwerere Übung mit Wacklern eine saubere leichtere schlagen – und umgekehrt.

Gerätturnen ist der offizielle Name der olympischen Sportart in Deutschland, Kunstturnen die international übliche Bezeichnung – im Englischen Artistic Gymnastics, im Französischen Gymnastique Artistique. Gemeint ist dasselbe. „Turnen" ist der Oberbegriff und umfasst auch Trampolin, Rhythmische Sportgymnastik, Rhönrad und das Breitensportturnen im Verein. Wir sagen Kunstturnen, weil das Wort trifft, worum es geht: eine Sportart, die Schwierigkeit und Ausdruck gleichzeitig verlangt.

Frauen turnen an vier Geräten: Sprung, Stufenbarren, Schwebebalken und Boden. Männer turnen an sechs – Boden, Pauschenpferd, Ringe, Sprung, Barren und Reck. Zwei Geräte teilen sich beide, den Sprung und den Boden, wobei Frauen am Boden zu Musik turnen und Männer nicht. Der Schwebebalken ist zehn Zentimeter breit und gilt als das Gerät, das am meisten vom Kopf verlangt.

Große Wettkämpfe laufen in Deutschland bei ARD und ZDF, europäische Meisterschaften zusätzlich im Livestream von Eurovision Sport, nationale Wettkämpfe auf sportdeutschland.tv. Die Termine der Saison findest du in unserem Wettkampfkalender. Und der beste Zugang ist ohnehin ein anderer: Deutsche Meisterschaften und Bundesliga-Wettkämpfe sind fast überall frei zugänglich oder kosten wenige Euro – aus zehn Metern Entfernung sieht dieser Sport völlig anders aus als im Fernsehen.